Montag, 11. März 2013

Rosine liest einen Krimi


Krimis. Ich lese keine Krimis. Aber ich habe es versucht. Mehrmals sogar. Doch es hat mich immer so erschüttert, weswegen ich es nach ein paar Versuchen gelassen habe.

Ihr wollt wissen, was passiert ist? Zuviel nägelkauende Spannung? Bin ich etwa zu zart besaitet?
Mitnichten! Ich erwartete doch tatsächlich eine kriminalistische Handlung. Aber was ich bekommen hatte, war eher kriminell. Ein paar Leichen hätten mich nicht gestört, genauso wenig wie eine ordentlich lange Liste mit Verdächtigen.
Aber was hat man mir stattdessen serviert? Das verkorkste Seelenleben wahlweise eines Mittdreißigers, eines Mittvierzigers oder eines Mittfünfzigers. Als ob das einen Unterschied machen würde! Gleichnisse aus der Welt der Opern gab es ebenfalls dazu und sehr beliebt waren auch Textstellen aus Rocksongs. Nicht zu vergessen, die Zitate aus Büchern. Anspruchsvolle Bücher, bei denen ich mich dann immer selbstquälerisch fragen musste: Habe ich die überhaupt gelesen? Und natürlich Kochrezepte.
Ja, vor allem die Kochrezepte haben es mir angetan! Der unrasierte, geschiedene oder getrennt lebende Detektiv kocht nämlich gerne asiatisch, genauer nordvietnamesisch. Oder war es südafrikanisch? Und ich muss dabei sein. Mindestens dreieinhalb Seiten lang. Ich bin dabei, wenn er die Zutaten mit unaussprechlichen Namen aus dem Kühlschrank holt, erfreue mich bei der Vorstellung, wie er die Eingeweide aus einem toten Tier kratzt und ich weiß jetzt, mit welchen Gewürzen man sparsam umgehen muss. An einem Dr. Oetker Kochbuch hätte ich wahrhaftig mehr Freude gehabt. Aber auch so kann man die Seiten eines Buches füllen. Den Täter und das Motiv gab es übrigens gleich auf Seite zwei.
Ab und zu darf der Detektiv oder Kommissar natürlich auch vö(...). Aber es erfüllt ihn nicht wirklich. Mich auch nicht. Frauenverachter Sherlock Holmes und sogar eine Miss Marple verströmen mehr animalische Anziehungskraft als diese farblosen, jammerläppischen Durchschnittstypen. Beziehungsprobleme und Hähnchen süß-sauer verleihen noch lange keine Persönlichkeit.
Ich werde ein paar Jahre warten, bis ich meinen nächsten Krimi lese. Vielleicht habe ich ja Glück und man besinnt sich auf die Tugenden des guten alten Kriminalromans. Straftat, Spannung, Auflösung. Und das alles mit einem Helden der Charisma hat, Witz und der von mir aus auch gerne ein wenig chauvinistisch sein darf. Bis dahin versuche ich es mit den Liebesromanen. Und wenn mir dabei wieder ein paar Kochrezepte begegnen, warum nicht? Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Rosine

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